Wer (zu)hören will, muss auch fühlen

Von Empathie- und Urteilsohren

Wie hört ihr zu, wenn ihr in ein Gespräch verwickelt werdet? Denkt ihr schon daran, was ihr antworten wollt und welche eurer Stories so ähnlich ist wie die eures Gegenübers, diese vielleicht sogar übertrumpft? Oder habt hakt ihr nach, fragt, was sich euer Gegenüber gedacht hat, wie er die Lage selbst einschätzt, wie er sich gefühlt hat?

Meistens hören wir zu, um zu antworten. Nicht einmal aus böser Intention heraus, wir haben vielleicht ähnliches erlebt und wollen ausdrücken, dass wir mitfühlen. Oder wir haben einen Ratschlag, den wir gut gemeint loswerden wollen. Wirklich empathisch und interessiert ist jedoch nur das Zuhören, um zu verstehen. Was damit gemeint ist, hat uns Nico Küßner auf dem PM-Update nicht nur anschaulich erklärt, sondern sogar praktisch an einem Fallbeispiel mit einem Teilnehmer demonstriert.

Menschen haben Bedürfnisse: Sicherheit, Anerkennung, Feedback, … Sind die eigenen Bedürfnisse erfüllt, löst das angenehme Gefühle aus. Sind sie nicht erfüllt, fühlen wir uns nicht wohl. Um unangenehme Gefühle in angenehme zu verwandeln, gibt es eine Vielzahl an Strategien. Eine davon ist, die eigenen „Empathieohren“ wachsen zu lassen und die Urteilsohren zuzuhalten. Dieses Verhalten baut eine Brücke zum Gegenüber und sendet das Signal der ungeteilten, unvoreingenommenen Aufmerksamkeit.

Urteilsohren hören Dinge, die der eigenen Vorstellung nach nicht in Ordnung sind. Die Urteilsohren zuzuhalten ist im Grunde einfach, jedoch leichter gesagt als getan: Jegliche Bewertung und Beurteilung weglassen.

Verstehen kann man mit den Empathieohren. Unsere Empathieohren nutzen wir selten und wenn, dann am ehesten bei unseren Partnern, Kindern oder besten Freunden. Empathisches Zuhören kann man jedoch lernen, in dem man in sich selbst hinein horcht, oder beim Gesprächspartner direkt nachfragt: Was fühle/brauche ich gerade? Was fühlst/brauchst du gerade? Sich über Bedürfnisse klar zu werden hilft nicht nur zu verstehen, sondern auch Verhaltensweisen nachzuvollziehen und dort Verständnis zu entwickeln, wo vorher keines war. Konflikte entschärfen sich oft fast wie von alleine, wenn man vorsichtig nachfragt, wieso sich jemand so verhält, wie er es eben tut, anstatt zu verurteilen oder sogar eine negative Motivation vorauszusetzen.

Und noch ein Tipp von Nico Küßner zum Abschluss, falls die Empathieohren eures Gegenübers Wünsche offen lassen: Äußert, was euch die Situation erleichtern würde. Das erfordert Mut, denn es macht verwundbarer, erfahrungsgemäß sind die meisten jedoch dankbar für eine Rückmeldung (Feedback ist auch ein Bedürfnis). Man muss hier jedoch die Grenzen des Anderen respektieren und auch mit einem „Nein“ leben können.

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