Multistakeholdermanagement

Erfahrungsbericht aus dem größten Energiewende-Reallabor Ostdeutschlands

Markus Graebig hat uns auf dem PM-Update einen sehr informativen und aufschlussreichen Werkstattbericht aus dem Projekt WindNODE geliefert. Laut Website wird in WindNODE identifiziert, „wie und wo technische Lastverschiebungspotenziale sowie Potenziale der Sektorkopplung in Nordostdeutschland gefunden werden können, um als Flexibilitäten im Energiesystem zur Verfügung zu stehen.“ – oder kurz, wie schafft man es 100 % erneuerbare Energien ins Netz zu bringen?

Multistakerholdermanagement: 3 Key Faktoren

Zu allererst: Man kann nicht immer jedes Ziel durchsetzen. Hat man sich erstmal damit abgefunden, kann man seine Energie auf die wichtigen Ziele konzentrieren.

Neue oder unbekannte Wege geht niemand gerne alleine. Bei WindNODE wurden früh mutige Vorreiter „rekrutiert“. Auf Firmen, Partner und Menschen, die voran gehen, folgen andere und ziehen nach.

Wichtige Wissensträger, die oft inmitten eines Projekts Torschlusspanik bekommen und sich neu orientieren, bevor das Projekt abgeschlossen wird, wurden bei WindNODE durch extra geschaffene oder gefundene Anschlussmöglichkeiten gehalten – dadurch wird das Gefühl vermittelt, dass es für einen weitergeht, auch nach Projektabschluss.

Ein wichtiger Faktor beim Stakeholdermanagement ist Emotion. Strom an sich ist ein abstraktes Produkt und laut Markus Graebig ein sogenannter „dyssatisfier“: das Vorhandensein von Strom ist selbstverständlich, fehlt der Strom, ist das kaum auszugleichen. Um dem entgegen zu wirken wird das Instrument des Narrativs noch stark unterschätzt. Das war auch ein persönliches Learning Graebigs. Narrative zeigen Chancen auf und beflügeln. Das Narrativ von WindNODE: „Wir können Wende.“ Durch die Zuschreibung von Kompetenz und der mitschwingenden Zuversicht werden erneuerbare Energien auf einmal spannend. Weitere Maßnahmen, die auf die positive Konnotation eingezahlt haben: besuchbare Orte nach dem Motto „show and tell“, Einladungen zum Mitmachen (z.B. Bürgergutachten), und ein Projekt, in dem die kulturelle Ästhetik der Energie behandelt wurde. Künstler und Ingenieure haben gemeinsam Visualisierungen von Strom entwickelt, die dann ausgestellt wurden. Außerdem gab es eine Literaturauswertung von 200 Jahren Energieauffassung.

Wie gewinnt man Partner?

Laut Graebig wird die Wirkung von Fördermitteln alleine überschätzt. WindNODE als Klammer für die nordostdeutsche Energiewende ist Reputation und Visibilität aktiv angegangen und hat die ganze Region in ihrer Kompetenzwirkung gestärkt und für eine substantielle Standortförderung gesorgt. Als Schaufensterprojekt hat WindNODE eine Sogwirkung, die ein fruchtbares Netzwerk angeregt und neue Projekte geschaffen hat. Durch die regulatorische Experimentierklausel SINTEG-V wurde der politische Rahmen erheblich vereinfacht. Finanzielle Förderung ist also nicht alles – es kommt auf die weichen Faktoren an, damit sich Partner an einem Projekt beteiligen.

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