Konflikte - Meilensteine statt Stolpersteine

Nachbericht zum PM-UPDATE 2019

Eine Panne + ein Problem + eine Emotion = ein Konflikt. So einfach ist das. Und so schwierig.

Denn Emotionen sind in höchstem Maße subjektive Botschaften und Bedürfnisse: Eine Emotion = ein Gefühl + ein Affekt. Und es sind Emotionen, die Konflikte so anstrengend machen. Hochkochende Gefühle, eigentlich nicht so gemeinte Aussagen, versteckte Motivationen und überraschende Selbstoffenbarungen lassen harmlose Situationen eskalieren.

Es gibt drei Eskalationsstufen bei Konflikten: Nummer eins, die Debatte, ist sachlich. Wir versuchen unser Gegenüber zu überzeugen. Will der nicht, und hilft auch die unterschätzte Kraft der Fragen nicht („Sind Sie überhaupt bereit Ihren Standpunkt zu verlassen?“/„Was muss passieren, damit ich Sie überzeugen kann?“), rutschen wir in Stufe zwei: dem Spiel. Hier müssen Regeln festgelegt werden, nach denen gespielt wird. Die gegenseitige Akzeptanz ist enorm wichtig, denn sonst kommt Stufe drei, der Kampf. Hier geht es längst nicht mehr um Kompromisse oder Lösungsfindung, der Gegenüber wird zum Feind und es kann nur einen Gewinner geben.

Dabei strebt eigentlich jeder nach denselben drei Grundbedürfnissen: Sicherheit, Zugehörigkeit und Entwicklung. Es ist wichtig, diesen Fakt nicht über die eigene selektive Wahrnehmung, Veränderungsblindheit und den Hang zur schnellen Vorverurteilung zu vergessen. Herr Michalski hat dies eindrücklich über verschiedene Beispiele vermittelt.

Testen Sie Ihre Wahrnehmung selbst:
The Monkey Business Illusion (https://www.youtube.com/watch?v=IGQmdoK_ZfY),
The Door Study (https://www.youtube.com/watch?v=FWSxSQsspiQ),
Whodunnit (https://www.youtube.com/watch?v=ubNF9QNEQLA).

Doch wie lässt sich nun ein Konflikt von vornherein deeskalierend angehen? Herr Michalski hat uns hierfür die 4/4=1 Methode vorgestellt, die auf einer gut strukturierten Ich-Aussage basiert und bei dem Gegenüber Zustimmung und Verständnis auslösen soll. Die vier Viertel sind

  • 1. Die Sache (Ich-Botschaft, Beleg, Datum),
  • 2. Die Folge (Interpretation, direkte Folge, Sachebene),
  • 3. Das Gefühl (Empathie, Selbstoffenbarung, eventuell Rechtfertigung) und
  • 4. Das Tun (Wunsch, Konsequenz, Forderung).

Ein Beispiel: Sie stehen im Supermarkt an der Kasse in der Schlange. Hinter Ihnen drängelt ein ungeduldiger Rentner mit seinem Wagen und fährt Ihnen ständig in die Hacken. Sie könnten explodieren, seinen Wagen wegtreten, lauthals losschimpfen. Stattdessen erinnern Sie sich an Ihren Bluthochdruck und wenden Herrn Michalskis 4/4=1 Methode an: Sie drehen sich zu dem unverschämten Rentner um und sagen ruhig: „Sie fahren mir mit Ihrem Einkaufswagen in die Hacken (die Sache), das tut mir weh (die Folge) und ich werde wütend (das Gefühl), deshalb halten Sie bitte mehr Abstand (das Tun).“ So einfach ist das.

Konflikte sind, trotz ihres schlechten Images, Innovationsträger: Ohne vorher ein Problem gehabt zu haben, hat noch keiner etwas Neues erfunden. Probieren Sie bei der nächsten Gelegenheit doch mal das 4/4=1 Modell aus und überraschen sich selbst, wie entspannt Sie an Konflikte herangehen können.

Abschließend hat uns Herr Michalski noch sechs hilfreiche Tipps mitgegeben, wie wir mit Konflikten in Projekten umgehen können:

  • Meilensteine sind immer auch eine emotionale Bestandsaufnahme.
  • Rituale sichern
  • Das „A“ bei SMART-Zielen (spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch, terminiert) auf Bedürfnisse ausrichten
  • Störungen mit Vorrang behandeln und nicht ignorieren. Probleme sofort ansprechen.
  • Projektmanagement ist immer auch Emotionsmanagement.
  • Das A und O bei internationalen oder gemischten Teams ist Respekt und Toleranz.

Wir bedanken uns bei Christoph Maria Michalski für diesen aufschlussreichen und sehr unterhaltsamen Vortrag!

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